Ihr habt Platz im Herzen?
Was ist eine Erziehungsstelle?
Eine Erziehungsstelle ist eine besondere Form der Jugendhilfe. Ein oder zwei Kinder mit erhöhtem pädagogischem Bedarf oder einer seelischen Behinderung leben dauerhaft in einem familiären Umfeld, stabil und individuell begleitet.
Der Unterschied zur Pflegefamilie: Erziehungsstellen betreuen Kinder mit besonderem pädagogischem oder therapeutischem Bedarf. Dafür erhalten sie vom Träger eine deutlich intensivere fachliche Begleitung. Eignung entsteht aus Erfahrung mit Kindern, Reflexionsfähigkeit und unserer Grundlagenschulung.
Bereitschaftspflege: Als Bereitschaftspflegestelle nehmt ihr Kinder in Krisensituationen auf, für Tage bis mehrere Monate, bis das Jugendamt eine dauerhafte Lösung gefunden hat. Ob ihr dauerhaft, in Bereitschaft oder beides anbieten wollt, entscheidet ihr; wir beraten euch, was zu eurer Familie passt.
Wer kann Erziehungsstelle werden?
- Einzelpersonen, Paare oder Familien, mit oder ohne eigene Kinder, unabhängig von Geschlecht, Herkunft, Religion oder sexueller Orientierung
- Keine Ausbildung im sozialen Bereich nötig. Erfahrung mit Kindern (eigene Kinder, Beruf, Ehrenamt) und die Bereitschaft, dazuzulernen, sind entscheidend. Pädagogische Fachkräfte sind ebenso willkommen wie Quereinsteiger:innen.
- Ein Altersabstand zum Kind, der einem Eltern-Kind-Verhältnis entspricht
- Zeit, Belastbarkeit und ein stabiles Umfeld
- Bereitschaft zu Fortbildung, Reflexion und Zusammenarbeit mit Jugendamt und Herkunftsfamilie
Ihr seid bereits Erziehungsstelle? Ein Trägerwechsel zu KOALA ist möglich, auch mit dem Kind, das bei euch lebt. Sprecht uns an, gemeinsam finden wir eine Lösung.
In fünf Schritten zur Erziehungsstelle.
Von der ersten Anfrage bis zum Einzug eines Kindes vergehen in der Regel mehrere Monate. Wir nehmen uns für jeden Schritt Zeit, denn Passung ist wichtiger als Tempo.
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Erstkontakt
Ihr ruft an oder schreibt uns. Zum ersten Gespräch kommen wir am liebsten zu euch nach Hause. So lernen wir euch dort kennen, wo später ein Kind leben wird. Wir klären, was ihr mitbringt, was euch bewegt und was auf euch zukommt.
- 2
Eignungsprüfung
Wir lernen euch und euer Zuhause kennen, bei Hausbesuchen und in Gesprächen mit allen Familienmitgliedern. Dazu gehören erweiterte Führungszeugnisse aller volljährigen Haushaltsmitglieder und ein Gesundheitszeugnis. Eure finanzielle Situation besprechen wir im persönlichen Gespräch. Ihr formuliert, welches Kind zu euch passen könnte und was nicht geht.
Zum Standardverfahren gehört eine Anfrage beim Jugendamt an eurem Wohnort. Wir fragen dort, ob etwas gegen die Aufnahme eines Kindes bei euch spricht, etwa frühere Kontakte im Bereich Kinderschutz. In den allermeisten Fällen ist die Antwort ein einfaches Nein. Die Anfrage ist bei jeder Erziehungsstelle Pflicht, denn das belegende Jugendamt muss sicher sein, dass ein Kind bei euch gut aufgehoben ist. Wir besprechen das vorher mit euch, nichts passiert hinter eurem Rücken.
- 3
Grundlagenschulung
Ein- oder zweitägig, je nach Teilnehmerzahl, bei euch zu Hause oder in Xanten. Wir gehen den Weg eines Kindes einmal komplett durch. Warum Kinder ihre Familie verlassen müssen, welche rechtlichen Grundlagen dabei gelten, wie Jugendamt, Familiengericht, Vormund und Träger zusammenwirken, wie Sichtkontakt, Anbahnung und Einzug ablaufen. Dann der Alltag danach. Was ein Kind in der Eingewöhnung braucht, wie Besuchskontakte und Loyalitätskonflikte wirken, wie Fachberatung und Hilfeplangespräch funktionieren. Zum Schluss geht es um euch, eure Ressourcen, euer Netzwerk und die Frage, was euch trägt, wenn es anstrengend wird.
- 4
Vertrag & Passung
Wir schließen mit euch einen Kooperationsvertrag. Ab jetzt prüfen wir bei jeder Anfrage eines Jugendamts, ob das Kind und eure Familie zusammenpassen. Alle Informationen zum Kind geben wir offen an euch weiter, und wir klären jede Frage, bevor ihr entscheidet. Erst wenn es für alle stimmt, geht es in die Anbahnung.
- 5
Einzug & Begleitung
Das Kind zieht ein, und wir bleiben. Eure Fachberatung kommt regelmäßig zu euch nach Hause, ihr trefft die anderen KOALA-Familien bei Ausflügen und Elternabenden, und nachts geht jemand ans Telefon, der euch kennt.
So arbeiten wir.
Begleitung bei KOALA findet dort statt, wo ihr lebt. Eure Fachberatung sitzt bei euch am Küchentisch und mit dem Kind auf dem Spielteppich. Sie kennt das Kind beim Namen, kennt seine Geschichte und ist auch dann erreichbar, wenn es schwierig wird.
Eine feste Fachberatung, die euch kennt
Mindestens 22 persönliche Termine im Jahr bei euch zu Hause, dazu Video und Telefon. Keine wechselnden Zuständigkeiten. Eure Fachberatung begleitet euch über Jahre und arbeitet im Vier-Augen-Prinzip mit einer Kollegin oder einem Kollegen im Hintergrund.
Arbeit mit dem Kind
Wir arbeiten nicht nur mit euch, sondern auch mit dem Kind, durch Biografiearbeit, Vorbereitung auf Hilfeplangespräche und altersgerechte Beteiligung an Entscheidungen.
Zusammenarbeit mit der Herkunftsfamilie
Die Herkunftsfamilie bleibt Teil des Lebens eines Kindes. Wir halten den Kontakt zu den leiblichen Eltern, bereiten Umgänge gemeinsam vor und begleiten sie in unseren Räumen in Xanten. Für das Kind ist es wichtig, dass alle Erwachsenen respektvoll miteinander umgehen. Dafür sorgen wir, und ihr müsst diese Rolle nicht allein ausfüllen.
Gemeinsam unterwegs
Ausflüge, Feste und gemeinsame Tage, an denen die Kinder andere KOALA-Kinder treffen. Dazu Elternabende und Fachabende, bei denen Erfahrung ausgetauscht wird, nicht nur Fachwissen.
Erreichbar, wenn es darauf ankommt
Rund um die Uhr, an 365 Tagen. Wenn etwas passiert, erreicht ihr eine Fachberatung, die euch kennt.
Zusammenarbeit mit dem Jugendamt
Hilfeplangespräche bereiten wir gemeinsam mit euch vor und nehmen gemeinsam daran teil. So habt ihr im Gespräch jemanden an eurer Seite, der das Kind und euren Alltag kennt.
Wissen, wenn ihr es braucht
Die Grundlagenschulung vor dem Einzug vermittelt Rahmen, Rollen und den Blick auf das Kind. Danach vertiefen Fortbildungen in kleinen Runden, zum Beispiel zu Kinderschutz, Bindung, Trauma oder Biografiearbeit. Die Themen richten sich nach eurem Bedarf und euren Wünschen. Manchmal laden wir dafür auch externe Fachkräfte ein.
Was ihr als Erziehungsstelle erhaltet.
Die Leistungen für Erziehungsstellen sind vollständig steuerfrei. Sie decken den Lebensunterhalt des Kindes und honorieren eure pädagogische Arbeit.
Die Beträge richten sich nach den Empfehlungen des Landschaftsverbands Rheinland und dem jeweiligen Jugendamt. Bei Kindern mit besonders hohem Bedarf können erhöhte Erziehungsbeiträge vereinbart werden. Die Zahlungen erfolgen direkt vom Jugendamt an euch, nicht über den Träger.
Stand 2026, Änderungen vorbehalten.
| Leistung | Monatlich | Hinweis |
|---|---|---|
| Pflegegeld (Lebensunterhalt) | 748 bis 1.050 € | abhängig vom Alter des Kindes |
| Erziehungsbeitrag | 1.441 € | pauschal, für die pädagogische Arbeit |
| Kindergeld | anteilig | nur bei dauerhafter Aufnahme, wird auf das Pflegegeld angerechnet, ein Teil verbleibt bei euch |
| Zuschüsse | nach Bedarf | z. B. Erstausstattung, Klassenfahrten, besondere Anlässe |
Was angehende Erziehungsstellen uns fragen.
Voraussetzungen
Brauchen wir eine pädagogische Ausbildung?
Nein. Eine Ausbildung im sozialen Bereich ist keine Voraussetzung. Entscheidend sind Erfahrung mit Kindern, Belastbarkeit, ein stabiles Umfeld und die Bereitschaft zu Schulung und Reflexion. Die fachliche Qualifizierung übernimmt KOALA mit Grundlagenschulung, Fortbildungen und laufender Fachberatung.
Können wir weiter berufstätig sein?
Ja, in vielen Fällen. Entscheidend ist, dass im Alltag genug Zeit für das Kind bleibt, gerade in der Eingewöhnung und bei Terminen wie Umgängen oder Hilfeplangesprächen. Wie sich das mit eurer Arbeit vereinbaren lässt, besprechen wir im ersten Gespräch.
Kann ich alleinerziehend Erziehungsstelle werden?
Ja, das ist möglich, sofern ausreichend persönliche und zeitliche Ressourcen vorhanden sind. Ein unterstützendes Umfeld aus Familie, Freunden und Nachbarschaft ist dabei sehr hilfreich.
Wir haben schon Kinder. Geht das?
Eigene Kinder sind kein Hindernis, wir beziehen sie altersgerecht in den Prozess ein. Das aufgenommene Kind sollte das jüngste in der Familie sein.
Sind gleichgeschlechtliche Paare möglich?
Ja, selbstverständlich.
Wie alt dürfen wir sein?
Der Altersunterschied zum Kind sollte dem eines normalen Eltern-Kind-Verhältnisses entsprechen. Eine starre Grenze gibt es nicht.
Braucht das Kind ein eigenes Zimmer?
Ein eigenes Zimmer ist gesetzlich nicht vorgeschrieben, die meisten Jugendämter erwarten es aber. Wichtig ist, dass das Kind einen Rückzugsort hat, der ihm gehört. Wie das bei euch aussehen kann, klären wir beim Hausbesuch.
Alltag
Wie läuft der Kontakt zur Herkunftsfamilie ab?
Wie oft und in welcher Form Umgänge stattfinden, wird im Hilfeplan mit allen Beteiligten vereinbart. Wir bereiten jeden Kontakt gemeinsam mit euch vor, begleiten ihn pädagogisch und besprechen ihn danach mit euch nach. Ziel sind Kontakte, die dem Kind guttun und niemanden überfordern. Die Herkunftseltern bleiben, soweit es dem Kindeswohl dient, Beteiligte im Hilfeprozess.
Darf das Kind uns Mama und Papa nennen?
Wie das Kind euch nennt, entscheidet das Kind. Wir achten darauf, was es signalisiert und braucht, viele Kinder finden mit der Zeit ihre eigene Lösung.
Trägt das Kind unseren Nachnamen?
Zunächst behält das Kind seinen Nachnamen. Entwicklungspsychologisch wird eine Angleichung des Namens allerdings empfohlen, weil sie dem Kind hilft, seine Identität und Zugehörigkeit zu entwickeln. Ob und wann das sinnvoll ist, wird gemeinsam mit dem Kind, dem Jugendamt und den Sorgeberechtigten entschieden.
Der Weg und das Kind
Wie lange dauert es, bis wir ein Kind aufnehmen können?
Das ist individuell verschieden. Nachdem ihr alle Voraussetzungen erfüllt und die Jugendämter informiert wurden, kann es Wochen oder Monate dauern, bis ein Kind zu euch passt. Wir nehmen uns diese Zeit, weil die Passung über den Alltag danach entscheidet.
Welche Wünsche dürfen wir an ein Kind haben?
Wünsche weniger, Ehrlichkeit mehr. Wichtig ist, dass ihr selbstreflektiert sagt, wo eure Grenzen liegen, etwa beim Alter des Kindes, bei bestimmten Diagnosen oder Verhaltensweisen. Nur so können wir einschätzen, welches Kind bei euch gut aufgehoben ist. Niemand muss alles können, aber jeder sollte wissen, was er nicht kann.
Was passiert, wenn es nicht funktioniert?
Krisen gehören dazu, und genau dafür ist eure Fachberatung da. Meist lassen sich schwierige Phasen gemeinsam durchstehen, mit engerer Begleitung und Entlastung im Alltag. Auch das Jugendamt und die Sorgeberechtigten sind in solchen Phasen eingebunden, sie tragen die Verantwortung für die Hilfe mit und können weitere Unterstützung möglich machen. Wenn ein Zusammenleben trotz allem nicht mehr trägt, wird der Übergang gemeinsam mit allen Beteiligten sorgfältig gestaltet, für das Kind und für euch. Das ist die Ausnahme, und niemand steht dabei allein.
Neugierig geworden? Dann lernen wir uns kennen.
Das erste Gespräch ist unverbindlich. Erzählt uns, wer ihr seid.
Wir erzählen euch ehrlich, was auf euch zukommt.
